... Und da war Musik
Etwa 4 Jahre alt war ich, als ich den Kofferplattenspieler meines Cousins
entdeckte. Blau geriffeltes Plastik um das Gerät, beige geriffeltes Plastik
um den Deckel, in dem sich der Lautsprecher befand. "One night"
von Elvis war die Scheibe, die auf dem Plattenteller lag. Mich beeindruckte
die tiefe, voluminöse und stahlig klingende E-Gitarre mit diesem unbeirrbaren
Shuffle-Rhythmus. Noch mehr aber interessierte mich wahrscheinlich das technische
Prozedere des Plattenauflegens, das meinem Spieltrieb gut
entgegenkam (den Tonarm zur Seite ziehen, ein "Klick" und der
Plattenteller begann sich zu drehen ...)
Mit den Klassikplatten meiner Eltern war das etwas anderes. Dort ging es
wirklich nur um die Musik. Vor dem Einschlafen stellte ich mir, so gut ich
konnte, meine Lieblingsstücke im Kopf vor (wie es später bei
Lady Madonna hieß: listen to the music playing in your head). Denn
einen Plattenspieler am Bett, so etwas hatte ich nicht, und ohne Krimi geht
die Mimi ja nie ins Bett (welche Stücke das waren? Wird hier nicht
verraten, was denkst du eigentlich? - Macht doch einen komischen Eindruck,
wenn man mit 4 den Kaiserwalzer von Johann Strauß gern hört!).
Ich erinnere mich noch daran,
dass es mich quälte, wenn ich immer an denselben Stellen hängen
blieb. Das bekam mein kleiner Kopf noch nicht hin und der Sandmann hatte anschließend
leichtes Spiel (Wenn dann am nächsten morgen wenigstens auch Sand
in meinem Bett gelegen hätte. Vielleicht wäre meine Mutter dann
etwas glücklicher gewesen)
"Der lachende Vagabund" von Fred Bertelmann brachte mich zum Lachen,
auch, wenn ich das mal nicht wollte (diese Teufelsnummer!). Ich stellte
mir vor, wie der Mensch wohl aussieht, der das da singt. Anmerkung: Wir besaßen
kein Fernsehgerät. An Gerhard Wendland und "Tanze mit mir in den
Morgen" erinnere ich mich auch noch. Als ich ihn mal im Fernsehen sah,
viel später, aber noch Kind, fand ich sein Gesicht komisch. Ich hatte
mir zu dieser Stimme ein ganz
anderes vorgestellt (nämlich das eines Nachbarn, der zu dieser Schnulze
auf Silvester mit meiner Mutter tanzte und dabei so genüsslich mit den
Augenbrauen im Tangotakt wippte).
Ticket to Beatles
Alles hörte ich, alles, was mir gefiel! (Ich hörte aber nichts,
das mir
nicht gefiel!) Mein Cousin bekam ein Tonbandgerät von Grundig, TK
24. Nach "Weiße Rosen aus Athen" kam immer "Komm gib
mir Deine Ha -ha -ha-hahaha-hand". Der Klang faszinierte mich sehr. Auch
da wieder die Gitarren, und das scharfe Händeklatschen, und die wie Instrumente
wirkenden Stimmen. Wenn der Anfang erklang, durfte mich niemand mehr stören,
sonst wurde ich sauer. Aber es sollten noch viele Jahre mit Peter Alexander,
Vico Toriani, Manuela und ähnlicher Musik vergehen, bis ich nach dem
Yummi-Sound und einer Begeistungsphase für die "Jackson 5"
ganz bewusst Beatles-Fan wurde. Meine erste Gitarre kaufte ich mir aber nicht
wegen der Beatles, sondern weil mich ein Schulkollegen mit seiner Gitarre
beeindruckte (womit ich nicht sagen möchte, dass er gut spielte).
Dieses Ding aus Holz mit Stahlsaiten machte einen zum Helden in einem Kreis
von Leuten, ganz gleich, wie gut die Darbietung gelang. Meine erste Gitarre
war eine Framus von einem Schulkollegen für 20 DM, heute etwa 10 EUR,
das Gitarrenbuch kostete umgerechnet 5 EUR, die Stimmflöte - weiß
ich nicht mehr. Die ersten Akkorde
waren C, A-moll und E-dur (entsprach vom Anfängerstadium her einem
VW-Käfer kurz nach der Führerscheinprüfung). Das blieben
aber nicht die einzigen Griffe , wie man sich denken kann (sonst wäre
diese Internetseite der reinste Blödsinn!) ...
Hey, auch ich kann ja Songs schreiben
... "The thing is we´re one person in 4 bodies...", so Paul
McCartney in den 60ern zu dem "magical Mistery" der FAB FOUR. Ich
stellte fest, dass ich one person in nur one body war und das es so nicht
weitergehen konnte, wenn ich wie die Beatles Musik machen wollte. Die erste
Gitarrenband gegründet sich, natürlich ein Quartett, alles Jungen.
Wir spielten etliche Songs der Beatles nach. Ich hörte neulich unsere
Aufnahmen
auf alten Kassetten. (Da hätte auch ein Tonstudio nicht mehr viel
machen können!, tontechnisch, meine ich. Papierkorbmäßig schon!)
Dann kamen nach und nach die ersten Eigenkompositionen. Englische Texte zu
schreiben stellte schon ein Problem für sich dar. Doch auch musikalisch
gab es davon reichlich. Wenn die Beatles sich seinerzeit auch so gestritten
hatten wie wir, wer was wie spielen soll, ist es ein weiteres Wunder, dass
es sie je gegeben hat. Yeah!
Es macht Spaß und wird ernst
Gelogen! Das mit dem "ernst", meine ich. Das hätte ich gern
gehabt. Aber ernst wurde ich erst immer dann, wenn ein Schreiben von einer
Plattenfirma zurückkam, in dem man sich für das Einsenden unserer
Demokassette bedankte und uns weiterhin viel Freude "beim Musizieren"
wünschte. Aber hatten die denn nicht recht? Konnte da der Fachmann irgend
einer Plattenfirma überhaupt etwas ´raushören? (Ein gewisser
Dick Rowe von der DECCA konnte das damals auch nicht, etwas heraushören
aus dem Demoband einer englischen Band, und er soll damals folgende Worte
gesagt haben:"Gehen Sie wieder nach Hause. Sie haben doch einen schönen
Plattenladen. Die Zeit der Gitarren-Bands ist vorbei, Mr. Eppstein!"
- Eingeräumt: da handelte es sich ja auch um die four bodies)
Ein Stückchen näher dran
Ich studierte Ton- und Bildtechnik in Düsseldorf (kein Abschluss;
hat aber den Vorteil, dass man den auch ohne Examen bekommt). Mit Hintergedanken
an eine musikalische Karriere nahm ich in dem kleinen Übungsstudio in
Düsseldorf mit meiner Band einige eigene Nummern auf. (Damit hätte
ein Tonstudio schon etwas anfangen können, ich meine tontechnisch. Nicht
papierkorbmäßig!). Das war 1976. Wir gründeten eine neue
Band mit ehrgeizigen Zielen. Doch dann der Verrat an den Beatles: als musikalischer
Judas kaufte ich mir für etwa 30 Silberlinge alle damals erhältlichen
Genesisplatten und wurde eingefleischter Fan. Lange Kompositionen, Melodien,
die auf Anhieb als solche nicht sofort erkennbar waren, Takte, nach denen
man jeden Rechenschieber hätte eichen können (von wegen mitklatschen!).
Natürlich schlug ich mich dann gänzlich ins Lager der
Langkompositionsgruppen der 70ger, oh "Yes". Wir eiferten ihnen
mit eigenen Nummern nach. Ich hörte neulich ein paar alte Kassetten (da
hätte zwar ein Tonstudio was mit machen können, tontechnisch meine
ich, keinesfalls aber publikumstechnisch!). Heute würde mich ein
solcher Verrat nicht sonderlich berühren, da ich mittlerweile gute Erfahrungen
mit den natürlichen Kehre-zur-musikalischen-Heimat-zurück-Heilkräften
gemacht habe. Ich weiß, was die Beatles mir bedeuten und worin sie sich
für mich von anderen Musikern, die ich auch sehr mag, unterscheiden.
(Damit wird meine Site bei
nächster Gelegenheit noch upgedatet werden [müssen!]) Vorweg
vielleicht hier nur schnell dieser Vergleich: Hätte er noch so viele
Beziehungen zu schönen, aufregenden Frauen gehabt, könnten all diese
nicht die Eine, Tiefe zu jenem einfachen Mädchen auf Haiti vergessen
machen. Gauguin! - äh, go gern, will sagen: gehe gern immer wieder dahin...
zurück, wo das Herzelein seine Heimat
hat. Und das kam bei mir schnell, schon bereits 10 Jahre später.
Die Gitarre "und das Meer"
Beethoven soll einmal die Gitarre als kleines Orchester bezeichnet haben.
Er meinte wahrscheinlich damit die klassisch gespielte Gitarre. Doch auch
die sogenannte Begleitgitarre sorgt für einen Thrill. Spiel' einmal "Yesterday"
nur auf der Gitarre und singe dazu (einigermaßen zumindest).
Du musst dir natürlich vorher ein paar Leute suchen, die dir zuhören,
sonst kannst du die Wirkung verständlicherweise nicht messen (es sei
denn, bei dir selbst, und das ist auch nicht zu unterschätzen!).
Es kann auch etwas Einfacheres sein, Hauptsache es grooved. (was das nun
wieder ist, grooven? nö, nö, das musst
du schon selbst recherchieren! Denn das gäbe noch mal eine eigene
Internetseite; wenngleich es nur wenige Sekunden dauert, bis man einen Groove
fühlt!) Alle werden es toll finden, wie frisch gepflückte Erdbeeren
mit Schlagsahne! Und niemand wird das Gefühl haben, dass etwas fehlt;
so etwas wie ein Synthesizer (nichts dagegen einzuwenden, mag ich!),
oder Wahnsinnseffekte, doppelt besungenen Chöre, ein Streichorchester
... Die Liste des bestenfalls gelungenen Beiwerks ist lang. So ein gutes Stück
Gitarrenmusik mit Gesang wirkt eben auch naked (und wenn du eine Nummer
von
Michael Jackson auf der Gitarre spielst und sie immer noch wirkt, dann hat
er es gut gemacht! Sorry Maikl, aber du weißt es ja selbst).
Zurück zu den Vorbildern
Bei der Musik der Beatles ist es genau so! Wohl auch deswegen werden ihre
Songs im neuen Jahrtausend immer noch gern gehört. - Aber, oh Traurigkeit,
es kommt nichts mehr nach! Die Totengräber des Business holen immer mal
wieder etwas aus den Mottenkisten der Studios hervor, doch ... speaking words
of wisdom: Let it be! Und Paul McCartney macht schon lange seine eigene Musik,
die man nicht mit den Beatles verwechseln sollte! Kein neuer Hit also - keine
Spur von "The Beatles´Lost Tapes" - keine Auferstehung!
Und vielleicht ist das gut so, damit auch andere ihre Chancen nutzen können.
Zurück zu den Normalsterblichen
So bin ich wieder bei mir angekommen. (Moment! Eben noch das Tränchen
aus dem Augenwinkel wischen)
Es reichte nicht aus, die Musik meiner Vorbilder auf der Gitarre zu spielen
und dazu zu singen. Denn obwohl die schönen und die vertrackten Seiten
der Liebe zwischen Boys and Girls von den Beatles (und eben auch von anderen)
hinreichend besungen waren, hatte ich, wie jeder, meine eigenen Erlebnisse
(und natürlich nicht nur in Liebesdingen. Es gibt ja noch mehr im Leben,
hm?...). Dazu musste eigene Musik her. Aber das war eine "lange und
sich
windende Straße", bis ich mich zu Hause angekommen fühlte...
Hier und heute
Mit neuen Beatles-Songs warte ich logischerweise nicht auf, aber dafür
mit neuen nie gehörten eigenen Songs im Stile der Beatles- lyrisch, rockig,
kraftvoll und - kompromerzlos! (ich kann auch gar nicht anders!)
Zum Glück brauche ich heute keine Plattenfirma mehr, um meiner Musik
an die Öffentlichkeit zu verhelfen, da das Internet diese phantastische
Chance bietet.
Reich werde ich dabei sicher nicht, aber bestimmt ein wenig bekannter - und
ich freue mich über jeden FAN, über jeden, dem meine Musik etwas
gibt. Es gibt auch eine CD mit den Texten (in einem wunderschönen
Booklet). Viel Spaß - denn darum geht´s doch, isn´t
it?!
Ich gebe alles!
"All my lovin I will send to you!"
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